So wachsen Deine Zimmerpflanzen in freier Wildbahn

So wachsen Deine Zimmerpflanzen in freier Wildbahn



Autor: Marten Beckmann
Zimmerpflanzen sind aus unseren Wohnräumen kaum mehr wegzudenken. Sie schaffen eine angenehme Atmosphäreverbessern die Luftqualität und verleihen jedem Raum eine natürliche Note. Doch was viele Menschen nicht wissen, ist, dass viele der beliebten Zimmerpflanzen in ihrer natürlichen Umgebung ganz anders aussehen können. Das liegt oft daran, dass unsere Exemplare aus dem Gewächshaus Züchtungen sind, die robuster und pflegeleichter sind als ihre Wildformen. Bei anderen Arten liegt es schlicht an den Idealbedingungen ihrer ursprünglichen Heimat, dass sie andere Größen, Formen und Farben ausbilden als bei uns zu Hause. In diesem Blogartikel werfen wir daher einen faszinierenden Blick auf einige bekannte Zimmerpflanzen und ihre oft überraschend andersartigen Erscheinungsformen in der freien Natur. 

Monstera
Die Monstera, mit ihren charakteristischen löchrigen Blättern, hat sich zu einer Ikone moderner Innenräume entwickelt. Schon seit Jahrzehnten schmückt die wuchtige Pflanze viele Wohnungen und Büros und ihr Blattwerk wurde schon vielfach stilistisch aufgearbeitet und findet sich auf T-Shirts, Tassen, Firmenlogos und Postern wieder. Dabei kennen viele nur die am Boden wachsende Variante, doch in ihrem natürlichen Lebensraum in den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas wächst sie auch als Kletterpflanze an Bäumen. Dabei dienen ihre Luftwurzeln als Kletterhilfe und die Löcher in den Blättern machen sie unter anderem weniger anfällig für die starken Winde der Tropenstürme. Ausführlicher wird das in einem anderen Blogartikel beschrieben. Aufgrund ihrer Größe wird die Monstera bei uns selten als Kletterpflanze gehalten, weswegen es umso überraschender erscheinen mag, dass dieser Klassiker der Zimmerpflanzen auch die schwindelerregenden Höhen des Regenwaldes belebt.
Eine Monstera in freier Wildbahn, aufgenommen im tropischen Belize. Urheberschaft: Annika Lindqvist, CC BY-4.0, via Wikimedia Commons
Drachenbaum
Der Drachenbaum ist ein weiterer Klassiker der Inneneinrichtung und auch das schon seit langer Zeit. Seine Anpassungsfähigkeit macht ihn zu einer beliebten Zimmerpflanze: Er gedeiht auch in weniger lichtdurchfluteten Räumen, ist genügsam und vergleichsweise pflegeleicht. Bei guter Pflege kann er auch bei uns ein bis zwei Meter erreichen. Doch das ist kein Vergleich zu seiner Wildform, denn in seiner Heimat, den tropischen Regionen Afrikas, Asiens und Amerikas, ist der Drachenbaum eine echte Naturgewalt. So wird die Pflanze, die biologisch gar kein echter Baum ist, je nach Art bis zu zehn Meter hoch und bildet eine beeindruckende Krone. Zugegeben, ganz fair ist der Vergleich nicht, denn bei von den bis zu 150 Arten haben es nur sehr wenige in die weltweiten Haushalte geschafft und auch dabei handelt es sich teilweise um Zucht- oder Ausleseformen. Trotzdem ist der Drachenbaum ein weiteres interessantes Beispiel in diesem Vergleich.
Ein beeindruckender Drachenbaum in freier Natur.
Goldene Efeutute
Die goldene Efeutute ist eine wunderschöne Pflanze und erfreut sich auch als Zimmerpflanze riesiger Beliebtheit. Ihre hübschen herzförmigen Blätter, der elegante Wuchs sowie ihre Genügsamkeit machen sie zu einer perfekten Zimmerpflanze. Darüber hinaus können die Blätter der Efeutute in verschiedenen Farbvariationen auftreten, von leuchtendem Grün bis hin zu gelblich-weiß gefleckt, was sie zu einem auffälligen und dekorativen Element in jedem Raum macht. Ursprünglich kommt die Efeutute tatsächlich von nur einer einzigen kleinen Pazifikinsel, dem Eiland Moorea vor Tahiti, von wo aus sie die Welt eroberte. Heute lebt sie in vielen Wohnräumen und wächst verwildert auch in den tropischen Zonen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Während die Kletterpflanze bei uns oft einen kleinen Moosstab erklimmt und hübsche kleine Blätter produziert, umrankt sie in freier Wildbahn meterhohe Bäume und schmückt sich mit einem gigantischen Blattwerk. Auch in unseren Pflanzensets ist sie oft zu finden.
Eine wilde Efeutute im Garten eines madagassischen Hotels.
Einblatt
Das Einblatt, mit seinen eleganten, weißen Blüten, ist in Wohnungen oft ein Blickfang. Doch so anmutig die Pflanze auch wirkt, in freier Wildbahn wächst sie oft als krautiger und kahler Bodendecker in den tropischen Wäldern Lateinamerikas. Hier entwickelt sie große, lanzettförmige Blätter, die einen reicheren grünen Farbton haben als ihre gezüchteten Verwandten. Die Wildformen sind an die schattigen, feuchten Bedingungen des Waldes angepasst, weswegen das Einblatt auch bei uns eine ideale Pflanze für die schattigen Plätze in der Wohnung ist.
Mehrere Einblätter am dunklen Waldboden. Ihr natürliches Habitat macht sie zu einer schattenliebenden Pflanze.
Philodendron
Der Philodendron ist eine sehr beliebte Rank- und Kletterpflanze und schmückt viele deutsche Haushalte. Optisch der Efeutute sehr ähnlich, ist diese Zimmerpflanze dank ihres grazilen Wuchses und den herzförmigen Blättern ein echter Hingucker und dank ihrer Genügsamkeit auch für viele Anfänger und Anfängerinnen geeignet. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass sich hinter dem Namen Philodendron nicht nur der marktübliche philodendron scandens verbirgt, sondern eine riesige Pflanzengattung mit bis zu 700 verschiedenen Arten. Darunter sind viele Pflanzen, die sowohl optisch als auch von ihrer Wuchsform und ihrem Habitus nur noch sehr wenig mit der Rankpflanze aus unseren Wohnungen zu tun hat. Viele erinnern auch an Alocasien, mit welchen die Philodendrongattung verwandt ist. In der freien Natur können diese Pflanzen teilweise gigantische Ausmaße erreichen. Gerne wächst diese Gattung am Waldboden, was den Philodendron zu einer idealen Pflanze für die schattigen Plätze in der Wohnung ist. Der Philodendron scandens ist auch Teil vieler unserer Pflanzensets.
Ein wilder Philodendron giganteum: Eine der zahlreichen Arten dieser Gattung. Urheberschaft: Amir F., CC BY-SA
Die Unterschiede zwischen den Zimmerpflanzen in ihren domestizierten Formen und ihren wilden Pendants sind eine schöne Erinnerung an die Schönheit der Natur, die wir zwar zu uns nach Hause holen können, dort jedoch nie in ihrer vollen Pracht erleben. Doch dieser Vergleich soll in keinem Falle die Freude an den eigenen Zimmerpflanzen schmälern, sondern viel eher daran erinnern, wie schön und schützenswert die Wildnis ist. Mehr spannende Einblicke in die Welt der Pflanzen gibt es hier auf unserem Blog von Urban Greenery.